Wenn ich in meinen Reisepass sehe, haben sich jetzt zwei weitere Seiten mit Stempeln gefüllt, von Argentinien, Brasilien und Uruguay.
Natürlich ist etwas mehr haften geblieben, als nur etwas Farbe, das Bild das man von den Ländern vorher automatisch hat, hat sich doch etwas verändert:
Argentinien:
Von dem was ich früher von Argentinien gehört und an Bildern gesehen hatte, habe ich es optisch und wirtschaftlich nahe bei den USA eingeordnet, dass zumindest kleine Orte und die Ränder der größeren praktisch nicht von anderen südamerikanischen Städten zu unterscheiden sind, hat mich eher überrascht. Natürlich merkt man, dass etwas mehr Ordnung und Geld als z.B. in Peru vorhanden ist, aber bei weitem nicht auf dem Niveau das ich persönlich erwartet hätte.
Das Elend und die Scharen an Bettlern, die man anderen Orts sieht, treten in Argentinien nicht so in den Vordergrund, auch wenn man allenthalben relativ gut gekleidete Menschen sieht, die systematisch Mülltonnen nach Verwertbarem untersuchen. Hier sind es keineswegs wie in andern Ländern Obdachlose. Auf der anderen Seite haben mir die sonst allgegenwärtigen Luxuskarossen, die man selbst in Bolivien antrifft, gefehlt – entweder es gibt in Argentinien kaum Reiche, oder, und das glaube ich eher, man zeigt seinen Reichtum nicht so gerne öffentlich.
Auffällig und für mich störend war, vor allem der Staat, bzw. seine Staatsorgane. Die Militärdiktatur liegt in Argentinien jetzt schon gut 20 Jahre zurück, und wird von den Bürgern gerne als unerklärlicher Betriebsunfall gesehen, wie sich aber der Staat gebärdet, scheint es mir (noch?) im Denken und System begründet, dass so eine Diktatur Fuß fassen konnte.
Egal wo man ist, oder wohin man fährt, sind Polizei und andere Uniformierte allgegenwärtig, permanent wird man auch auf offener Landstraße angehalten und kontrolliert. Teilweise ist das bis zu 4 Mal am Tag passiert, ohne dass es dafür den geringsten sichtbareren Anlass gegeben hätte. Selbst in Diktaturen ist so ein Prinzip eher selten.
Auch Die Einstellung des Staates zu den Falklandinseln ist für mich etwas befremdlich. Obwohl diese nie in der Geschichte zum Staat Argentinien gehört haben, erhebt Argentinien Ansprüche darauf. Diese gipfelten vor 20 Jahren in einem militärischen Angriff und dem Falklandkrieg mit Großbritannien, heute sehen immer noch Schilder an jedem Ortseingang und werden auch nach wie vor neu aufgestellt, die mitteilen „die Falklandinseln sind argentinisch“ (Las Malvinas son Argentinas)

Argentinische Gebietsansprüche
Ich stelle mir nur gerade vor, was passieren würde, stellte die Bundesrepublik an jedem Ort ein Schild auf, „Mallorca gehört zu Deutschland“…
Beeindruckend war für mich die Natur, sowohl in den Flussgebieten des Rio Plata und Rio Uruguay, ebenso wie natürlich bei Iguazu und wie die Bergwelt der Anden, in die ich dieses mal kaum hineinschnuppern konnte. Leider stand dem die unendliche Weite der Landwirtschaftsödnis mit ihren Monokulturen gegenüber.
Brasilien
Von ein paar Stunden Aufenthalt in einem Land nimmt man nicht besonders viel mit, in meinem Fall ist eigentlich nur die Grenzkontrolle haften geblieben:
Dermaßen nette, fröhlich ausgelassene und interessierte Beamte habe ich noch nie erlebt. Auch wenn es auf Grund von Sprachproblemen etwas kompliziert war, hatte ich an der Grenze das Gefühl, freundlich empfangen zu werden.
Das hatte ich noch nirgends auf der Welt…
Uruguay
Vor Jahren hatte ich irgendwo einmal gelesen, Uruguay sei die Schweiz Südamerikas. Was die Berge betrifft stimmt das kaum, ist die höchste Erhebung gerade mal gut 500m hoch.
Wenn ich mir aber die Uferpromenade in Montevideo ansehe und wie gepflegt im Verhältnis Straßen, Privathäuser und öffentliche Gebäude aussehen, kann ich dem ebenso zustimmen wie wenn ich mir die Preise in Restaurants und Hotels ansehe.
Einen weiten Überblick über das Land habe ich leider nicht erhalten, dafür war die Zeit zu knapp, was bleibt, ist aber das Gefühl, etwas verpasst zu haben – vielleicht wäre es sinnvoller Gewesen, einen größeren Teil der Zeit auf Uruguay zu verwenden. Dort habe ich mich wohl gefühlt, keine Polizei hält einen ständig auf, die Landschaft ist abwechslungsreich und das Klima angenehm.
Ich denke, es war wohl nicht mein letzter Besuch in diesem Land, auch wenn ich das dort gesprochene Spanisch Uruguayisch nur sehr schwer und bruchstückhaft verstehe.