Nachtrag Indien: Abenteuer Paket versenden!

Der vorletzte Tag unseres Indienaufenthaltes ist angebrochen und es wird höchste Zeit, dass wir diverse Dinge nach Hause schicken. Zum einen, weil wir sie nicht mehr brauchen, zum anderen, weil wir hier einige Sachen gekauft haben, die wir nicht nach Neuseeland einführen dürfen (z.B. die am Markt erstandenen Gewürze und gesammelte Muscheln). Wir packen alles in einen Karton, den wir mit dem von uns mitgebrachten Klebeband nach deutscher Manier verkleben. Nachmittags geht’s damit mit der Rikscha nach Chaudi zum Postamt. Dieses hat zwar geöffnet, allerdings werden Pakete nur vormittags zwischen 10.00 und 13.00 Uhr angenommen. Aha! Unser Flieger startet am nächsten Tag um 15.15 Uhr, also müssten wir das auf dem Weg zum Flughafen noch hinkriegen. Auf dem Rückweg fällt meinem Fahrer ein, dass Pakete „indisch“ verpackt sein müssen, sonst werden sie vom Postamt gar nicht erst angenommen. Ich verstehe nicht genau, was er meint, auch nicht, als er auf einen Vorhang in seiner Rikscha deutet. Auf jeden Fall wendet er sein Mofa abrupt und düst zurück in die Stadt. Wir halten und er führt mich in einen Mini-Näh“studio“ in einem Hinterhof. 

Ausstattung: Zwei antike Nähmaschinen, Berge von Stoff und eine Frau. Sie misst mein Paket aus, setzt sich an die Nähmaschine und beginnt, eine weiße Stoffhülle für unser Paket zu nähen. Ich frage sie, warum die Post das so haben will. Die Antwort. „I don’t know! Otherwise they won’t accept the parcel!“.  Aha! Nach gut 5 Minuten ist sie fertig, aber sie hat falsch gemessen: Das Paket passt nicht in das Säcklein. Also, nochmal eine Runde. Dieses Mal darf sich unser Päckchen auf einen fliederfarbenen Mantel freuen. Dieses Säcklein passt! Dann wird per Hand alles fein säuberlich zusammengenäht. In der Zwischenzeit versucht mir die geschäftstüchtige Frau einen maßgeschneiderten Sari anzudrehen. Bestimmt schön, aber brauchen tu‘ ich keinen. Sie versucht es weiter mit indischen Westen, aber die treffen nicht ganz meinen Geschmack. Der bezaubernden Jeannie hätten sie aber sicherlich gefallen…Nach gut 20 Minuten und umgerechnet 2,70 Euro bin ich fertig.

Abends erfahren wir, dass sich unser Flug um 2 Stunden vorverlegt hat. Abflug 13.00 Uhr. Paketabgabe um 10.00 Uhr ist somit zeitlich nicht mehr drin. Unser Taxifahrer kennt glücklicherweise in einer kleinen Stadt auf halben Weg zum Flughafen ein Postamt. Dort angekommen, erlebt man live wie ein Postamt in den 50er Jahren ausgesehen haben musste. Dann heißt es warten. Und warten. Ca. 10 Minuten bis der Mann hinter der Scheibe mich heranwinkt (Bemerkung: Ich bin einziger Kunde). Wahrscheinlich ist es für dieses Postamt das erste Mal, ein Paket über indische Grenzen hinaus zu verschicken. Zunächst braucht man wohl ein Zollformular. Alle Schränke werden durchsucht bis ein Angestellter irgendwo einen kleinen verknitterten Zettel hervorkramt.

Ich gebe den Paketinhalt an und frage nach einem Adressaufkleber.
Antwort: Ein fragender Blick.
Ich frage  nach einem Stück Papier.
Antwort: Die Adresse bitte auf den Stoff schreiben. Mit einem Marker.
Ich: Könnte ich bitte einen Marker haben?
Antwort: Haben wir nicht, sowas gibt’s in einem der Läden hier.

Also raus und suchen! Im dritten Laden werde ich endlich fündig. Ich male die Adresse meiner Mama auf das Paket und wie gefordert meine Absenderadresse in Indien, d.h. die halbe, weil ich nur noch den Namen der Strandhüttenanlage und den Ort weiß. Dann soll ich auf die Rückseite des Pakets noch meine Heimadresse in Deutschland schreiben. Nach einer halben Stunde ist es vollbracht! Zurück im Taxi und zwei Kilometer weiter fällt mir siedend heiß ein, dass ich – warum auch immer –  die falsche Straße meiner Mama angegeben habe. Oje! Zeitlich ist es nicht drin, umzukehren. Egal. Wir hoffen jetzt einfach mal, dass wir in paar Monaten unser fliederfarbenes Päckchen wieder in den Händen halten.

Übrigens: Am Flughafen stellt sich heraus, dass die Vorverlegung unseres Fluges wohl eine Falschmeldung war. Wie geplant, heben wir gegen 15.30 Uhr ab. Auf nach Japan!

 

 

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