Weltreise mit Kindern

Es ist nicht das erste Mal, dass wir mit Kind die Erde umrunden. Unser älterer Sohn hat uns im zarten Alter von einem Jahr schon auf der Route Oman, Thailand, Australien, Neuseeland, Cook Islands und USA begleitet.

Auch wenn wir damals oft Kommentare hörten, wie: „das ist aber mutig“, „ist das nicht gefährlich?“, „habt ihr Euch das gut überlegt mit so einem kleinen Kind?“, haben wir die Reise nie bereut und sie auch als ganz problemlos und entspannt empfunden. Gefühlt hatten wir damals das ideale Reisealter getroffen: Unser Sohn war anspruchslos, mit der ständigen Nähe zu beiden Eltern sehr glücklich und verbrachte, dem Alter entsprechend, längere Fahrstrecken überwiegend schlafend.

Zwei Kinder, im Alter von 3,5 und 6 Jahren sind bedeutend anspruchsvoller und entsprechende Wünsche müssen auch berücksichtigt werden.

Erster Widerspruch, die gesamte Reise betreffend, kommt von unserem größeren, als er realisiert, wie lange er seine Großeltern und Kindergartenfreunde nicht mehr sehen wird. Wir schließen nach Buchung der Flüge, aber vor der Abreise, einen Kompromiss und verkürzen die ursprünglich geplante Reisezeit um gut zwei Wochen und verzichten auf Hawaii und New York.

Trotzdem haben wir Wochen vor der Abreise Gejammer, wie schlimm das alles sei, und dass er nicht von Zuhause weg wolle. Erwartungsgemäß geht das Leiden auf der Reise weiter, legt sich aber nach einer Woche. Strand, Meer und ein gewisses Vergessen des vorigen Alltags leisten gute Dienste. Unser Kleinerer nimmt alles gelassen hin und ist mit der ständigen Anwesenheit der restlichen Familie und der Freiheit, immer was Neues erkunden zu können, voll auf zufrieden.

Wir beginnen unsere Reise in Indien. Ich selbst habe etwas Zweifel was Indien betrifft, da ich dieses Land bereits vor gut 20 Jahren bereist habe und nachhaltig geschockt war. Ich war im Norden unterwegs.

Jetzt soll es der Süden, genauer gesagt, Goa werden, das ein guter Freund, der auch Kinder hat, als kindertauglich eingeschätzt hat. Er hatte absolut Recht!

Recht, was den eigentlichen Küstenort Agonda Beach betrifft, sofern man gewillt ist, ausschließlich dort zu bleiben – für „Nichtstrandmenschen“ wie uns, die auch etwas vom Land sehen wollen, ist es schwierig zu anderen interessanten Orten zu gelangen, die alle mindestens 1,5h einfache Fahrt entfernt liegen, mit Kindern im Schlepptau. Lange Autofahrten sind schwer zu vermitteln und dafür den geliebten Strand aufzugeben, endet regelmäßig in einem kleinen Drama. Lieber tobt man im Gelände der Strandhüttenanlage herum.

Am willkommensten ist es unseren Kindern, insbesondere dem größeren, wenn alles immer so bleibt wie es gerade ist, bzw. wenn alles einen ganz festen Ablauf hat.

Bevorzugt sind, immer das selbe Restaurant, und die selbe tägliche Routine.

Ausflüge: Nur unter Widerstand.
Neues Restaurant: Lieber nicht.
Weiterreisen in ein anderes Land: Auf keinen Fall!

Im Nachhinein ist sogar Tokio toll, die indische Küche auch anderen Orts schmackhaft und der Ausflug doch super.

Tokio mit Kindern – diesbezüglich hatte ich meine Bedenken, ob eine Millionenmetropole im Winter nicht doch eine gravierende Fehlplanung war.

Und ja, es war eine Fehlplanung, teilweise. Die Kinder waren überraschender Weise eher fasziniert von der Stadt, den Leuten, dem Hotel und dem Trubel. Widerspruch kam eigentlich nur bei längeren Fußwegen. Nachdem ein paar, der oft nicht leicht zu findenden, Spielplätze ausfindig gemacht und besucht waren, war die Stimmung gerettet.

Die Kehrseite war, dass wir als Eltern, alleine, wohl einen guten Teil der Zeit in Tokio mit Shoppen und Durchprobieren der vielfältigen Restaurants verbracht hätten – mit  (unseren) Kindern ist das aber für längere Zeit nicht stressfrei machbar. Insgesamt sind die Japaner zu Kindern gefühlt noch freundlicher wie sie eh schon sind, aber oft etwas hilflos. Vermutlich ist das kein Wunder, wenn man beobachtet wie wenige Kinder zu sehen sind. Kinder in Tokio fallen auf. Spielplätze und andere Dinge, die sich an Kinder wenden, sind entsprechend rar, aber trotzdem haben wir alle Tokio als positiv in Erinnerung behalten. Überhaupt nicht selten sind tolle Spielplätze dagegen in Neuseeland. Jedes kleine Dorf, jeder Campground und auch manche Supermärkte haben Angebote für Kinder.

Auf der anderen Seite steht, dass Neuseeland ein „Outdoorland“ ist: Es hat seinen Reiz vor allem durch die wilde Natur und die landschaftliche Schönheit. Dinge, die unsere Kinder zu schätzen wissen, aber altersbedingt nicht in vollem Umfang genießen können.

Längere Bergwanderungen, Kajakfahren, Rafting, Treetopwalks bis zum Bungeespringen – alles ist nicht so Recht für kleinere Kinder geeignet. Für Kinder und Erwachsene gleichermaßen geeignete Aktivitäten wie z.B. Shantytown sind vergleichsweise rar.

Unser Reisekonzept in NZ, einmal das ganze Land mit dem Camper zu durchqueren erfordert immer wieder Überzeugungsarbeit bei den Kindern, die gerne lange oder „für immer“ an einem vertrauten (Camping)platz bleiben möchten.

Jeden Tag oder spätestens alle  drei Tage weiterreisen ist nicht wirklich gewünscht – erste Recht nicht, wenn man gerade andere deutschsprachige Kinder, oder eine Katze kennen gelernt hat.

In der Summe sind aber doch alle mit der Reise, und dem Erlebten zufrieden, und nehmen eine Menge neuer Eindrücke mit nach Hause, auch wenn wir als Erwachsene gerade in Neuseeland ein viel intensiveres und actionreicheres Programm durchgezogen hätten. Ein Urlaub wie für uns Eltern gewohnt, wird wohl in den nähsten Jahren nicht mehr sinnvoll möglich sein und es werden Kompromisslösungen gefunden werden müssen, die der ganzen Familie zusagen.

Wie auch immer: Das Beste kommt zu Schluss!

Rarotonga erwartet uns in ein paar Stunden, und wenn alles noch so ist, wie es vor 5 Jahren sind sicher ALLE glücklich: Der perfekte Strand mit warmen kristallklarem Wasser und bunten Fischen zum Schnorcheln, ein schönes Hotel und freundliche Leute.

Die lange Rückreise wird nochmals von 2 Tagen Disneyland unterbrochen und sollte somit auch machbar sein.

 

 

 

 

 

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