Liebes Neuseeland,

genau einen Monat hatten wir Zeit, Dich nach 5 Jahren nochmal zu erkunden. Zunächst Deine Südinsel,
dann Deine Nordinsel. Und, das muss man Dir lassen: Du bist wirklich eine Schönheit! Eine extrem abwechslungsreiche Schönheit: Verwunschene Dschungel, raue Vulkanlandschaften, atemberaubende Berge, die sich in Deinen unendlich vielen Seen spiegeln, einsame Strände und kristallklares Meer. Somit bietest Du für jeden das richtige: Vom „Beach“ Potato bis zum Adrenalinjunkie ist alles dabei. 
Mit zwei Kindern im Schlepptau konnten wir Deine Möglichkeiten leider nicht voll und ganz ausschöpfen, aber trotzdem haben wir Dich genossen. Gut, die Sache mit dem Camping ging uns dann zum Schluss doch etwas auf die Nerven, aber da kannst Du ja nichts dafür. Denn Deine Campingplätze sind schwer in Ordnung. Bis auf wenige Ausnahmen waren diese immer sehr gut ausgestattet und sauber. Und es gab immer einen Spielplatz und sehr oft sogar einen Swimmingpool. Für Kinder natürlich perfekt! Aber der Haushalt begleitet einen beim Campen halt auch: Abspülen, Womo kehren, Wäsche waschen usw. Dafür ist man flexibel und, wenn nach dem Eisessen mehr Eis auf der Hose als im Bauch ist, sind die Wechselklamotten stets parat. Fazit also: Campen immer gerne! Nur nicht zu oft und vor allem nicht zu lange!

Deine Südinsel ist in letzter Zeit sehr erdbebenreich gewesen. Aber Christchurch (schweres Beben 02/2011) haben Deine Bewohner schon wieder ganz gut hinbekommen und selbst die Whalewatching-Touren in Kaikoura (schweres Beben 11/2016) laufen wohl schon wieder an.

Die sensationellen Panoramablicke auf dem Weg von Christchurch in das beschauliche Städtchen Dunedin und auf die Ortago -Peninsula haben uns schwer beeindruckt. Pinguine und Robben in freier Wildbahn und nächster Nähe sehen. Wow!

Queenstown war leider sehr voll, aber trotzdem super. Seitdem wissen wir einiges mehr vom Schafescheren! Die sonstigen „Must do’s“ wie Rafting, Zipline etc. holen wir vielleicht irgendwann mal nach, wenn unsere Jungs alt genug dafür sind.

Deine kleinen kurvigen Straßen sollten uns dann eigentlich in den Milford Sound führen, aber das war anscheinend nicht in Deinem Sinne. Zumindest hast Du ein paar Tage ziemlich viel Wasser auf uns geschüttet. So musste dieser Ausflug leider ausfallen. An Deiner wunderschönen Westküste, die uns vor 5 Jahren schon so gut gefallen hat, hätten wir noch ein paar Ziele im Programm, die Du uns nicht gegönnt hast. Auch diese sind wortwörtlich ins Wasser gefallen. Das haben wir Dir bisschen übel genommen, aber wir verstehen natürlich: Regen ist ja wichtig für Dich. Was man von Deinen Bewohner so hört, war der Regen diesen Sommer aber schon mehr als genug!

Gut, dass Du Dir unser Schimpfen zu Herzen genommen, und uns unsere Zeit im Abel Tasman Nationalpark mit viel Sonne wettgemacht hast. Traumstrände, ziemlich viel kitschige Postkartenlandschaften mit Robben, Rochen und vielen Vögeln sind in der Sonne doch noch viel schöner. Den Park mit Abel Tasman Ecotours per Boot zu erkunden, kann ich wärmstens empfehlen.

Leider erfahren wir hier auch einige Schattenseiten über Dich bzw. mehr über Deine Bewohner. Haben die europäischen Einwanderer rund 70% Deines ursprünglichen Urwalds gerodet. Aufgeforstet wird nur mit Kiefern, die eigentlich gar nicht auf Dir beheimatet sind. Sie dienen auch nur dazu, nachdem die Bäume lang und dick genug sind, wieder gerodet zu werden. Nein, leider nicht stückchenweise. Sondern per Kahlschlag über mehrere Hänge hinweg. Die Folge Erosion. Aber unabhängig von der Holzindustrie, besteht generell am Umweltbewusstsein Deiner Bewohner noch absolutes Verbesserungspotential!

Den Abschied von der Südinsel erleichterst Du uns durch zahlreiche Regenschauer, die Du aber freundlicherweise mehr oder weniger einstellst als wir Wellington erreichen. Deine Hauptstadt fanden wir schon letztes Mal recht gemütlich. Dieses Mal sind wir noch per Cable Car die 650 m hoch in den Stadtteil Kelburn gefahren. Hier landet man im botanischen Garten der Stadt inklusive Spielplatz. Leider liegt dieser wieder fast am Fuße des Hügels, so dass nach 2 Stunden Dauerpower der Rückweg bergauf etwas unentspannt verläuft…

Unser „final destination“ lautet Auckland, also Zeit, uns weiter Richtung Norden zu begeben. Nächster
Stopp: Wanganui. Ein süßes Städtchen am gleichnamigen Fluss. Die Fahrt mit einem über 100 Jahre alten Raddampfer mit kohlebetriebener Originaldampfmaschine ist ganz nett und auch sehr interessant. Allerdings sind 2 Stunden reichlich lang. Die Hälfte hätte auch gereicht. Immerhin haben wir das Durchschnittsalter der 80jährigen Touris dramatisch gesenkt.

Danach fahren wir in das Herzstück Deiner Nordinsel. Deine Vulkangebiete sind sensationell. Du beeindruckst uns mit Deinen imposanten, durchaus aktiven Vulkanen sowie mit Deinen zahlreichen vulkanischen Parks und Geysieren. Die Strecke von Taupo nach Rotorua ist wohl auch Deine spannendste. Reisen auf dem Pulverfass! Na ja, so schlimm nun auch wieder nicht. Aber irgendwie wird einem schon ein bisschen mulmig, wenn man sich mit Deiner vulkanischen Aktivität befasst und live bestaunt: Brodelnde Schlammpools, dampfende Erdlöcher, Schwefelschwaden, die über den Boden hinwegziehen, (neon)gelbes und grünes Gestein, spuckende Geysire….Wahnsinn! Wer hier vorbei kommt, hat die Qual der Wahl: Volcanic Activity Center – Wairakei Thermal Valley – Wai-O-Tapu Thermal WonderlandTe Puia und vieles mehr! Der kinderlose Mensch kann natürlich noch eine von den vielen und atemberaubenden Vulkanwanderungen unternehmen.

Nach so vielen Schwefelschwaden wird es Zeit für frische Luft am Meer! In Waihi Beach treffen Dschungel und Strand aufeinander und wir verbringen hier erholsame Tage. Dein Meer spuckt täglich 5000 Kilo anmutiger Muschelschalen aus. Davon die schönsten zu sammeln, artet dann doch noch glatt in Arbeit aus…

Die letzten zwei Nächste verbringen wir in Deiner größten und lebendigsten Stadt: Auckland! Dann geht es weiter in die Südsee.

Vielen Dank Neuseeland für den schönen Februar! Wer weiß, vielleicht sehen wir uns irgendwann nochmal wieder. Bis dahin pass‘ gut auf Dich auf!

1 Gedanke zu „Liebes Neuseeland,

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