Der Morgen des 24.12. empfängt mich mit relativ leeren Straßen, auch die Einkaufsstraßen sind fast leer. Insgesamt liegt eine seltsame, gespannte Stimmung über der Stadt.

Ein paar gehetzt wirkende Leute machen in den wenigen verbliebenen offenen Geschäften letzte Besorgungen, bevor auch diese am Nachmittag schließen.
Die fliegenden Händler auf den Plätzen packen bereits gegen 12:00 Uhr in Ruhe ihre Sachen ein, während sie an ihrem Matebecher saugen.

Ja, diese spezielle Atmosphäre gibt es in Deutschland auch, kurz bevor das „rien ne vas plus“ für die späten Besorgungen erklingt. Nur hier ist sie nicht geschwängert von Weihnachtsmusik und Glühweingeruch – Schwefelschwaden ziehen durch die Straßen, mit lautem Donner freigegeben von den zahlreichen Böllern die immer wieder gezündet werden.

An der nächsten Ecke sehe ich eine Gruppe Teenager, die offensichtlich gut gelaunt und ziemlich angetrunken auf der Straße zu flotter Musik tanzen und sich gegenseitig mit Cidre anspritzen. Ich beeile mich an dem Grüppchen vorbei zu kommen, da ich weder wert auf eine Cidretaufe lege, noch einen der Wasserkübel abbekommen will, die aus einem der oberen Geschoße der angrenzenden Häuser auf die Feiernden herabgegossen werden.

Vor mir geht ein Grüppchen Mädchen die gut gelaunt, im eleganten, cidregeträngten Gewand einen Geruch wie eine üble Spelunke verbreiten – dass der Rock nur noch an den Beinen klebt, trägt dabei zur Heiterkeit bei.Cidre

Kaum habe ich die letzten Partygänger aus den Augen verloren, legt sich eine schon fast gespenstische Ruhe über die Stadt. Die Böller werden weniger, Autos und Passanten selten. Der Wind treibt ein paar Kartons und Plastiktüten durch die Straßen. Alle Rollläden sind heruntergelassen und nur durch Zufall finde ich noch ein geöffnetes Restaurant, in dem es etwas zu  Abendessen gibt.
Nach dem Essen fahre ich durch menschenleere Straßen in Richtung meines Hotels, als mit immer wieder größere Feuer am Straßenrand auffallen:
Es wird gegrillt. Alle paar Häuser steht ein, meist aus alten Blechfässern geschweißter Grill, auf dem neben einer großen offenen Flamme ein meist sehr großes Stück Fleisch gegart wird – eine fast unheimliche Endzeitstimmung in den spärlich erleuchteten Straßen an einem trüben windigen Tag, wieder von den Explosionen der Feuerwerkskörper untermalt.

Erst um Mitternacht kommt schlagartig wieder Leben in die Stadt: Wie an Silvester in Deutschland steigen überall in Montevideo Raketen in den Himmel, werden bengalische Feuer gezündet und Kanonenschläge geworfen.

 

Weihnachtsfeuerwerk in Montevideo

Weihnachtsfeuerwerk in Montevideo

Gegen1 Uhr kehrt Ruhe ein, die bis zum Nachmittag de 25. anhält. Wie leergefegt ist die verkaterte Stadt, kein Geschäft hat geöffnet, nicht einmal die sonst eigentlich immer geschäftigen Kioske verkaufen etwas. Gegen Nachmittag füllt sich die Uferpromenade mit Menschen, ebenso wie die dort ansässigen Tankstellen – jeder der etwas braucht findet in ihnen den letzten Laden.