Dass in Deutschland immer mehr reglementiert wird, immer mehr Verbote und Verordnungen erlassen werden, als aufgehoben werden und die persönliche Freiheit Hand in Hand mit der Eigenverantwortung langsam dem Land den Rücken kehrt – dieses Gefühl beschleicht mich schon lange.

Zum Teil trägt die Politik die Verantwortung, weil sie den Bürger als unmündig betrachtet, oder ihn lieber unmündig hätte (oder schon hat?)

Auch der Bürger hält sich nicht für mündig, legt er selbst sogar in Volksabstimmungen fest dass Verbote des Staates noch weiter verschärft werden müssen.

Was mir bislang neu war ist, dass mittlerweile auch unsere Gerichtsbarkeit in dasselbe Horn stößt:

Ich kann mich an einen Prozess erinnern, den ein Verwandter ca. 1980 gegen die Stadt führte, weil er Nachts mit seinem Wagen in einer schlecht beleuchteten Straße in eine nicht gesicherte Baustelle fuhr und sein Fahrzeug schwer beschädigt wurde.

Er war weder zu schnell, noch betrunken oder hatte er sich irgendetwas zu schulden kommen lassen.

Den Prozess verlor er, die Urteilbegründung war lapidar: Er müsse immer so fahren, dass er jederzeit jedem Hindernis ausweichen oder davor bremsen könne.

Logisch, sehe ich ein.

Gerade habe ich von einem aktuellen Urteil gelesen bei dem der Kläger sich den Fahrzeugboden beschädigt hat, weil er auf einer schlechten Wegstrecke zu schnell unterwegs war.

Das Stück war gekennzeichnet, mit „Straßenschäden, max. 30 km/h“

Die 30 die er fuhr, waren wohl zu schnell. Jetzt muss die beklagte Gemeinde zahlen – sie ist ihrer Verkehrssicherungspflicht nicht nachgekommen, weil max. 10km/h angebracht gewesen wären.

An der Rechtslage hat sich zwischen den Urteilen nichts geändert, wohl aber an der Wertung der Eigenverantwortlichkeit der Bürger.

Vor ein paar Monaten war im Fokus mal ein Artikel zur Einschätzung des persönlichen Lebensglück zu lesen. Die Kernaussagen waren: Je mehr der einzelne über sein Leben verantwortlich entscheiden kann, desto glücklicher ist er, Sicherheit und Geld sind nachrangig.

Und:

Verglichen mit ähnlichen Nationen sind die Deutschen die unglücklichsten.